Wir waren nach Frankfurt umgezogen. Mein Vater arbeitete wieder als
Hausmeister, meine Mutti als Büroangestellte.
Peterle lebte nicht mehr, Pussy war weit weg. Zu weit für uns, die wir
kein Auto hatten. Und wer weiß schon, ob sie mich ueberhaupt
wiedererkannt hätte. Ich wusste nur eines: ich sehnte mich nach einer
Katze...
Der Zufall wollte es, dass meine Tante, die nicht allzuweit weg auf dem
Land lebte, eine Bauernfamilie mit Katzennachwuchs kannte. Ich
bestuermte und bekniete den Chef meiner Eltern, der auch zugleich
Hausherr war, mir eine Katze zu erlauben und meine Eltern unterstuetzten
mich: der Boss gab sein Einverstaendnis..
So setzte ich mich mit einem Henkelkorb in die Strassenbahn und fuhr
laenger als eine Stunde, bis ich bei meiner Tante war. Bei dem Bauern
verliebte ich mich sofort in ein kleines Schwarzfell. Es war ein
Katerchen und ich nannte es Tom.
Tom gewoehnte sich rasch bei uns ein. Endlich wieder ein Schmusekater!
Nun hatte meine Mutter mal gelesen, man koenne Katzen daran
gewoehnen, die Menschentoilette zu benutzen. Das kann unser kluger Tom
auch, meinte sie. Jedesmal, wenn er gerade sein Geschaeft in sein
Katzenklo machen wollte und sie ihn dabei erwischte, schnappte sie ihn
und setzte ihn in die Klosettschuessel. Einmal, in allerhoechster Not,
hat es geklappt und er hat sein Pipi ins Klo gemacht. Meine Mutti
strahlte siegessicher. die Folge davon war, daß er in der naechsten Zeit
vor ihr davonflitzte und nur in aller Heimlichkeit sein Katzenklo
aufsuchte. Meine Mutti gab es letztendlich auf.
Als ich 16 Jahre alt war, zogen wir um nach Wehrheim, unsrer alten
Heimat. Mein Vater wollte sich einen Traum erfuellen und ein Haus fuer
uns bauen. So wohnten meine Eltern erstmal in einer Mietwohnung und ich
bei meinen Grosseltern. Mein Vater hatte einen Arbeitsplatz in Bad
Homburg gefunden.
Tom zog mit um. Er genoß die Freiheit des Landlebens. Abends, wenn ich
von meinem Ausbildungsplatz in Bad Homburg nach Hause kam, sass er auf
einem Hoftorpfosten und wartete auf mich.
Meine Eltern haben das Haus gebaut, und wir zogen ein. Etwas spaeter
habe ich zum ersten Mal geheiratet. Tom blieb bei meinen Grosseltern,
aber ich besuchte ihn taeglich, wenn ich von der Arbeit kam.
Als ich irgendwann aus irgendeinem Urlaub wieder nach Hause kam, war mein Tom
tot. Irgendjemand hatte ihn vergiftet.... |